Die Quitzower Kirche

Bei der Quitzower Dorfkirche handelt es sich um einen Kirchenbau, der in drei Bauphasen errichtet worden ist.
Neue Untersuchungen im Gebälk der Dachstühle haben ergeben, dass der älteste nachweisbare Bauteil der Kirche der Chor ist. Man datiert ihn heute auf 1292. Somit zählt die Kirche neben der in Schilde und in Groß Welle zu den ältesten Dorfkirchen der Prignitz. Der Chor weist einen stark gekehlten Feldsteinsockel sowie ein weiteres gekehltes Backsteinprofil in Höhe der Fensterbänke auf. Die Ecken sind von Lisenen gerahmt. Die Fenster sind als Spitzbogenfenster mit schrägen Laibungen ausgeführt und im Bogenschluss verputzt. Weiterhin zeigen sich die beiden östlichen Seitenfenster im Norden und Süden abgetreppt. Typisch sind die drei großen profilierten Spitzbogenfenster des Ostgiebels, dessen mittleres Fenster mit eingestelltem Rundstab in den Giebel hineinragt. An den Giebelschrägen befindet sich ein Treppenfries. Bemerkenswert ist hier das spitzbogige Chorsüdportal mit profilierten z.T. gedrehten Stabbündeln, einem Kämpferband und durch Blattornament geschmückten Sockel. Dieser Bereich wird von einer Vorhalle mit Stichbogenzugang, die laut Inschrift im Jahre 1602 unter dem Kirchenpatronat des Hartwig von Platen entstand, verdeckt. Gegenüberliegend befand sich auf der anderen Chorseite ein tonnengewölbter Gruftanbau (ehemalige Sakristei), der heute nur noch im Wandabriss zu erkennen ist.
Ev. Kirche QuitzowDas Kirchenschiff stammt ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist vermutlich unter der Patronatsherrschaft des urkundlich 1271 erwähnten Berthold von Quitzow errichtet worden. Dieser hatte in Quitzow mit seiner in einer mecklenburgischen Urkunde 1319 angeführten Burg seinen Stammsitz, den die Familie von Quitzow (Johan Gerold und Henning) als Versallen des Johannes Gans zu Perleberg um 1200 für ihre Dienste erhielten. Das Pfarrdorf Quitzow wurde erst in einer Urkunde im Jahre 1299 benannt. Das Kirchenschiff ist ein einschiffiger Saalbau aus behauenen Feldsteinen mit nicht bauzeitlicher flacher Balkendecke und Satteldach. In der Mitte der Längswände befinden sich je ein spitzbogig schließendes, reich profiliertes und glasiertes Backsteinportal mit Kämpferband, einer Profilfolge von Rundstab, Wulst, Rundstab und Fase sowie schwarzbraunen Glasuren. Das Südportal ist heute zugesetzt. Die spitzbogigen Fensteröffnungen sind mit Feldsteinlaibungen und verputzter Backstein­Bogenlaibung versehen, im Binnenschluss später aber dreieckig verändert.
1384 verlieh der Havelberger Bischof Dietrich II. von Man dem Urenkel von Berthold, Wedego von Quitzow (urkundlich 1379 Knappe auf Burg Quitzow), Rühstädt. Wedego verkaufte daraufhin den alten Quitzow Stammsitz samt Kirchenpatronat 1386 an die Familie von Platen.
Ostgiebel Kirche QuitzowDer Kirchturm wurde in der letzten großen Bauphase um 1500 vermutlich unter Hans von Platen errichtet. Die Ecken und die Einfassungen des Turmmauerwerks sind aus Backstein in Klosterformat, wohingegen der Turm in Feldsteinmauerwerk ausgeführt ist. Die Wandflächen sind durch gekoppelte rundbogige Schallöffnungen und vereinzelte Kreisblenden aufgelockert. Das Turmerdgeschoss war ursprünglich mit einer stumpfen Spitzbogentonne gewölbt.
Aus den Berichten der brandenburgischen Kirchenvisitations-Abschiede und -Register geht hervor, dass im Jahre 1542 die von Platens angemahnt wurden, die „ganz baufällige Kirche in Quitzow“ zu reparieren und neu decken zu lassen sowie auch den Pfarrhof in Ordnung zu bringen, da die Pfarre nicht besetzt war. Es gibt noch heute einzelne Dachsteine aus dieser Dacheindeckung. [TH00]
1996-97 wurde die Kirche innen renoviert. Das Dach des Kirchenschiffes wurde im Jahre 2010 neu gedeckt. [FU00]

Quelle:
TH00: Thalmann, Gordon, Auszug aus der Denkmalpflegerischen Stellungnahme, 25.9.2008
FU00: Furian, Hans-Georg, Ergänzung, 28.04.2009