In St. Jacobi Perleberg läuten wieder Glocken
von Ev. Kirchenkreis Prignitz
Es war ein ergreifender Moment, als das frisch eingebaute Geläut aus sechs Bronzeglocken zum ersten Mal minutenlang in Perleberg läutete. Hunderte Menschen standen um die St. Jacobi-Kirche herum und lauschten dem ungewohnten Klang. Sie alle waren der Einladung zur Glockeneinweihung gefolgt, die am Sonntag, den 21. Juni 2026 festlich begangen wurde.
Das Programm begann um 15:00 Uhr in der Kirche. Pfarrerin Verena Mittermaier begrüßte die versammelte Festgemeinde und dankte dem Perleberger Bürgermeister Axel Schmidt für die Unterstützung der Stadt, bevor dieser seinerseits das Wort an die Gäste richtete und den Glockeneinbau würdigte. Ein kurzer Filmbeitrag rief den Glockeneinhub Ende März 2026 ins Gedächtnis. Pfarrer Holger Frehoff, stellvertretender Superintendent des Ev. Kirchenkreises Prignitz, beleuchtete in seinem Grußwort die Bedeutung von Glocken und sprach ein Gebet.
Nun übernahm Kantor Andreas Behrendt die Bühne als Dirigent des Oratoriums "Das Lied von der Glocke" von Andreas Romberg, eine Vertonung des berühmten Gedichtes Friedrich Schillers von 1799. Ausführende Solisten waren Birgit Bockler (Sopran), Angela Brandigi (Alt), Peter Ewald (Tenor) und Tilmann Kuhn (Bass). Die Meistersprüche sang Andreas Göhler (Bass). Als Chor sangen Mitglieder von Wilsnack Cantabile gemeinsam mit dem Prignitzer Chorprojekt Perleberg, begleitet vom Sinfonischen Orchester der Kreismusikschule Prignitz. In beeindruckender Klangfülle und Ausdruckskraft schildert die Komposition aus dem Jahr 1809 den Vorgang des Glockengießens, verbunden mit Gedanken und Kommentaren zum Menschenleben im Allgemeinen, das von der Wiege bis zur Bahre von Glockenklängen begleitet wird.
Als nach dem abklingenden Applaus die ersten Glockentöne aus dem Turm von St. Jacobi erklangen, antwortete die Festgemeinde mit dem gemeinsam gesungenen Choral "Nun danket alle Gott", begleitet vom Evangelischen Posaunenchor Perleberg.
Dann erklang das Plenum der sechs Glocken erstmals im Ensemble. Weitergefeiert wurde nun im Pfarrgarten, den viele inmitten der Altstadt kaum vermuten. Hier erhob die Gemeindekirchenratsvorsitzende Frauke Eichler mit den rund 300 Anwesenden das Glas auf die neuen Glocken und dankte den Hauptakteuren des Projekts. Umrahmt von Klängen des „Jungen Blechs“ und des Evangelischen Posaunenchores ergriffen nun etliche Grußredner das Wort: Gerhard Gundske und Klaus-Dieter Graf aus dem Gemeindekirchenrat, die mit Pfarrerin Verena Mittermaier das Bauprojekt maßgeblich betreuen, erläuterten Hintergründe und würdigten die zahlreichen Beteiligten und Spender von der Zeit des Fördervereins Kirchturmspitze bis heute.
Franz Kampmann grüßte von der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef in Essen-Kupferdreh, wo das Sechsergeläut seit dem Guss im Jahr 1961 zuhause war, bis die dortige Kirche entwidmet und die Glocken versteigert wurden. Auch die katholische Gemeinde Perleberg war in Person von Catherine Brödder aus dem Pfarrgemeinderat vertreten. Professor Kempe aus Dresden schilderte als Tragwerksplaner die Besonderheiten dieses Glockenstuhlbaus, bevor Tilmann Kuhn als ehemaliger Ortspfarrer von den Anfängen der Projektidee erzählte.
Zur Erinnerung an die Glockeneinweihung wurden selbstgetöpferte Glöckchen mit Spruchband an die Anwesenden verteilt, entstanden als Gemeindeinitiative. Im anschließenden geselligen Teil genossen die Gäste das Gelände und den lauen Mitsommer bei Gesprächen, Essen und Trinken und Klaviermusik, während es für die Kinder Spiel- und Bastelangebote gab.
Um 19:30 erklangen noch einmal alle sechs Glocken und riefen zur Abendandacht. Mit gemeinsam gesungenen Abendliedern, Gebeten und Gedanken zur „Pilgerglocke“ (die künftig werktags abends um 18 Uhr läuten wird) klang die Glockeneinweihung aus.
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