Havelberger Dialoge - Miteinander streiten

von Ev. Kirchenkreis Prignitz

So sagt es der in einem Prignitzer Pfarrhaus geborene Arzt und Dichter Gottfried Benn. Die „Havelberger Dialoge“ sollen dies befördern. Das Reden miteinander ist in der Tat etwas schwieriger, wir glauben aber, nicht unmöglich geworden. Noch schwieriger als reden, scheint aber das Streiten miteinander zu sein. Die Fronten sind schnell verhärtet, die
Gesellschaft allzu oft polarisiert.

Im Jahr der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist das „Miteinander streiten“ ein lohnendes Themenfeld, denn dies gilt es wieder neu zu lernen. Und darum haben die Dialoge in diesem Jahr die Überschrift „Miteinander Streiten“ und wir haben drei Streitpunkte der Gesellschaft ausgesucht. Da der Streit im Mittelpunkt stehen soll, haben wir dieses Mal jeweils zwei Protagonisten zum jeweiligen Thema eingeladen. Jedoch keine Sorge, die doppelte Anzahl an Referenten wird die Beteiligung des Publikums nicht  verringern. Wir haben uns drei Themenschwerpunkte gesetzt: „Mit Rechten reden?!“, „Flucht und Migration“ und „Klima und Ökonomie“.

5. Mai 2026 um 19.00 Uhr im Paradiessaal des Doms zu Havelberg
Dr. Ilko Sacha Kowalczuk und Dr. Frank Hiddemann

Ilko-Sascha Kowalczuk ist der Punk unter den deutschen Historikern und ein leidenschaftlicher Streiter für die Freiheit und unsere Demokratie. Er arbeitet als Historiker und Publizist mit Schwerpunkt Aufarbeitung der SED-Diktatur. Ilko Kowalczuk ist ein enorm produktiver Autor und Historiker, der zu vielen zeithistorischen Themen und zu Fragen der Aufarbeitung der SED Diktatur klare Stellung bezieht. Sein Buch Die Übernahme. Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde von 2019 erlebt im C.H. Beck Verlag viele Auflagen. Ebenso seine jüngsten Veröffentlichungen Freiheitsschock – Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute, das seine Premiere in Havelberg erlebte. Ilko Sascha Kowalczuk bezieht Stellung, mischt sich ein, meint: „Mit Nazis redet man nicht. Punkt!“

Ganz anders Pfarrer Dr. Frank Hiddemann. Er war Studienleiter an der Ev. Akademie in Thüringen und ist seit 2018 Pfarrer in Gera, gründete und leitet die dortige Ökumenische Akademie und hat erstmals 2018 eine vielbeachtete Gesprächsreihe zu Themen der AFD organisiert – auch mit AFD-Politikern. Ausgangspunkt dabei war die Wahl in 2018 bei der Hiddemann feststellte: „Hier in Gera gibt es 50 % Nichtwähler, und von den Wählern haben 30 % ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das demokratische System, wie wir es kennen und wie es bisher fraglos funktioniert hat, nur noch von einer Minderheit bewusst getragen wird. Es gab offenbar eine schleichende Massenauswanderung aus der Berliner Demokratie. Wie können wir den Rechtpopulismus eindämmen, ohne eine Auseinandersetzung zu führen? Wenn wir uns einig sind, dass gewaltsame Lösungen ausscheiden und auch darin, dass Schweigen in politischen Dingen noch nie eine gute Lösung war, dann müssen wir nach den Regeln unserer Demokratie das öffentliche Gespräch führen.“ Seither führt Hiddemann Gespräche und ist ein gefragter Referent für Gespräch und Weiterbildung in Sachen „Reden mit Rechten“.

19. Mai 2026 um 19.00 Uhr im Paradiessaal des Doms zu Havelberg
Dr. Tamara Zieschang und Dr. Christian Stäblein

Tamara Zieschang, Ministerin für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt, wurde am 1970 in Saarlouis geboren. Von 1989 bis 1996 studierte sie Rechtswissenschaften in Würzburg und Bonn Und promovierte 2001 an der Universität Bonn. Sie war Rechtsanwältin in Berlin und von 2004 bis 2009 beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. Seit 1994 ist sie Mitglied der CDU. Von 2009 bis 2019 Staatssekretärin für Wissenschaft und Wirtschaft in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, darauf einen kurzen Ausflug in die Bundespolitik um 2021 die Innenministerin unseres Bundeslandes zu werden. Tamara Zieschang ist evangelisch und war schon während der Schulzeit in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert, während des Studiums im Ring Christlich-Demokratischer Studenten aktiv und innerhalb der CDU in deren Evangelischen Arbeitskreis (EAK) tätig.

Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), wurde 1967 in Bad Pyrmont geboren, hat Theologie in Göttingen, Berlin und Jerusalem studiert. Und 2002 wurde er in der praktischen Theologie promoviert. Er war Gemeindepfarrer, am Predigerseminar in Loccum und 2014 in der EKBO erst zum Propst und 2019 zum Bischof gewählt. Seit 2023 ist er Beauftragter des Rates der EKD für Flüchtlingsfragen.

26. Mai 2026 um 19 Uhr im Paradiessaal des Doms zu Havelberg
Thies Schröder und Christian Kunz

Thies Schröder ist der kreative Kopf und Geschäftsführer der Ferropolis GmbH. Er gestaltet seit über 20 Jahren einen der bekanntesten Orte der Industriegeschichte Sachsen-Anhalts mit. Thies Schröder studierte Landschaftsplanung und ist Fachautor im Bereich Landschaftsarchitektur, Städtebau und Regionalentwicklung. Er ist Inhaber des L&H Verlags und praktiziert Standortentwicklung per Event als Geschäftsführer der Ferropolis GmbH. Er kommt mit seiner Tätigkeit als Geschäftsführer in Ferropolis aus dem Bereich Braunkohle. Sein Ziel ist eine intelligente Zukunftsentwicklung dieser Standorte in Verbindung mit naturwissenschaftlichem Wissen. „Kohlenstoff ist für mich ein Zukunftsstoff mit schlechtem Leumund.“

Christian Kunz ist Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt und nutzt seine Kenntnisse als Wasserwirtschaftler und Ingenieurökologe bei der Lösung drängender Probleme. Die Nutzung gereinigten Abwassers, neues Denken in der Abfallverwertung und dezentralen Energiegewinnung sind genauso Themen, wie die Umwandlung der Kiefern- und Fichtenforste in echte Wälder. Mit seiner kleinen Fahrradwerkstatt und Tauschstation unterstützt er privat viele Menschen und bietet in seinem Dorf einen Ort für Gespräche und Verständigung. Mit den Demokratieradlern Genthin organisiert er Feste und Aktionen für alle Menschen für Austausch und Verständigung.

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