Havelberger Dialoge - Jüdisches Leben heute

von Ev. Kirchenkreis Prignitz

Im November starten zum vierten Mal die Havelberger Dialoge zum jüdischen Leben. Auch 2026 hat das Jüdisches Leben in Deutschland einen schweren Stand. Darum ist es wichtig, immer wieder verschiedene Stimmen jüdischen Lebens zu hören.

In diesem Jahr stehen die persönlichen Erfahrungen im Zentrum: Shelly Kupferberg hat einen Roman über das Leben mit und im Widerstand gegen die Nationalsozialisten in Berlin-Schöneberg geschrieben, Ayala Goldmann schreibt über das normal irre jüdischen Leben des Alltags auch nach dem 7. Oktober 2023 und Louis und Joëlle Lewitan berichten von Tätern und Mitläufern und wie die Nachgeborenen damit umgehen und warum erst jetzt ein freier Umgang mit der eigenen Familiengeschichte möglich ist.

Dienstag, den 3. November 2026, 19.00 Uhr Paradiessaal/ Dom
Lesung und Gespräch mit Shelly Kupferberg

Buchvorstellung und Lesung mit der Schriftstellerin und Radiomoderatorin Shelly Kupferberg. Sie liest aus ihrem 2026 bei Diogenes erschienenen zweiten Roman „Stunden wie Tage“. Mit ihrem ersten Roman „Isidor. Ein jüdisches Leben“, ein Stück ihrer Familiengeschichte, war sie bereits vor drei Jahren in Havelberg. Die Veröffentlichung des neuen Romans war ein guter Anlass, sie erneut zu uns einzuladen.
Shelly Kupferberg wurde 1974 in Tel Aviv geboren, ist in West-Berlin aufgewachsen, studierte Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Neben Beiträgen für die ARD moderiert Kupferberg seit 20 Jahren Kultur-, Literatur- und Gesellschaftsmagazine. So moderiert sie auf Radio 3 im rbb tägliche Kultur- bzw. Live-Radiosendungen. Shelly Kupferberg lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Dienstag, 17. November 2026, 19.00 Uhr Paradiessaal/Dom
Lesung und Gespräch mit Ayala Goldmann

Die Journalistin und Autorin liest aus ihrem bei Hentrich&Hentrich erschienenen Buch: Der Schofar-Flashmob und andere schräge Töne. Auserwählte Glossen vom Rand der jüdischen Welt. Sie schlägt darin einen weiten Bogen von rivalisierenden Rabbis, kreativen Wahlordnungen bis hin zu den Kosten eines Doppelgrabs auf dem Friedhof in Berlin-Weißensee. Und obwohl ihr die humoristische Verarbeitung nach dem 7. Oktober 2023 zunächst unmöglich schien, gibt es – nach einem Einschnitt – auch einige Glossen aus den Monaten danach. Ayala Goldmann, geboren 1969 in Hamburg, ist in Ulm aufgewachsen. An der Freien Universität Berlin und an der Hebräischen Universität Jerusalem studierte sie Judaistik, jüdische Geschichte und hebräische Literatur. Sie ist Redakteurin für Feuilleton und Wissen der „Jüdischen Allgemeinen“, wo ihre Glossen seit 2009 regelmäßig erscheinen. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin-Friedenau.

Dienstag, den 24. November 2026 um 19.00 Uhr im Paradiessaal/Dom:
Lesung und Gespräch mit Louis und Joëlle Lewitan

Louis und Joëlle Lewitan sind Psychologen, Vater und Tochter und Nachfahren von jüdischen Shoah-Überlebenden. Für ein Buch haben sie sich den Nachkommen der Täter gestellt. Im April dieses Jahres veröffentlichte Louis Lewitan gemeinsam mit dem deutschen Journalisten Stephan Lebert das Buch: Der blinde Fleck: Die vererbten Traumata des Krieges – und warum das Schweigen in den Familien jetzt aufbricht. Das Buch ist ein lebensnahes, anekdotisches Plädoyer für die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte während der NS-Zeit. Der Trauma- und Stressexperte Louis Lewitan und der preisgekrönte Journalist Stephan Lebert schreiben anhand von ergreifenden Gesprächen mit Betroffenen über die ebenso schwierige wie befreiende Auseinandersetzung mit der Last der eigenen Familiengeschichte. Ein Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur, der aktueller denn je ist. Louis Lewitan lebt in München und Joëlle Lewitan in Wien. Daher ist es wirklich sehr erfreulich, dass beide am 24. 11. in Havelberg zu Gast sind.

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