Wort zur Woche

23.12.2017 08:00 von Pfr. Peter Radziwill

Weihnachten - geschenkt

Ehre sie Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Jahr für Jahr höre ich die Weihnachtsbotschaft, auch wenn mir Gott im Himmel und der Frieden auf Erden oft fern scheinen. Aber vielleicht liegt es daran, dass ich kein Mensch seines Wohlgefallens bin? Doch was ist so ein Mensch?

Vielleicht kann ich es mir mit etwas erklären, was zu Weihnachten eine große Rolle spielt, mit den Geschenken. Wenn ich schenke, möchte ich, dass dem anderen mein Geschenk gefällt, weil ich selbst gefallen möchte. Ich möchte dem Andern zum Wohlgefallen werden. Wie peinlich, wenn mir jemand etwas schenkt und ich habe für ihn keine Gegengabe. „Das war doch nicht nötig“, sage ich dann.

Natürlich war das nicht nötig. Ein Geschenk ist geradezu das Gegenteil vom Notwendigen. Martin Luther schreibt: „Die ganze Welt ist toll und töricht. Sie ertragen es nicht, dass sie die Nehmenden sind. Sie wollen nichts umsonst haben.“

Die Menschen seines Wohlgefallens sind nicht die, die anderen gefallen, sondern die, die sich etwas schenken lassen - ohne Gegenleistung: Ich lasse mir etwas wohl gefallen.

Die Menschen, von denen Lukas in der Weihnachtsgeschichte redet, sind die, die sich das Wohl Gottes gefallen und schenken lassen, ohne zu überlegen, welche Gegenleistung sie bringen müssten. Die einfach etwas annehmen: Friede auf Erden den Menschen, die sich Gottes Frieden schenken lassen.

An Weihnachten wird klar, was der Kern des christlichen Menschenbildes ist: Ich kann mir das, was ich im tiefsten meines Wesens begehre, nur schenken lassen - ein Gegengeschenk ist nicht nötig und nicht möglich. Und wenn wir Weihnachten Geschenke machen, erinnern wir uns daran, dass auch die, die wir lieben, mehr sind als das, was sie leisten, kaufen oder können. Geschenke verkörpern diesen Überschuss.

Martin Luther formuliert, mit welcher Haltung wir an Weihnachten unsere Geschenke und das geistige Geschenk dahinter auspacken sollen: „Was ist die Tasche, das Kästchen, darein man den Schatz legt? Es ist allein der Glaube. Der hält seine Hände hin und tut den Sack auf und nimmt, was er kriegen kann und sagt fröhlich Danke.“

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