Die St. Marien Kirche in Kyritz

Dreischiffiger und kreuzrippengewölbter, gestufter Hallenbau, 2. Hälfte des 15. Jh., mit sechs Jochen und polygonalem Chor in 5/10-Schluss mit Strebepfeilern. Das aufgehende Mauwerksgefüge mit Feldsteinsockel unter einem Sockelprofil aus Sandstein vom Ursprungsbau des 13. Jh., darüber Feldstein und spätgotisches Mauerwerk in Backstein. Der Bau 1708–14 nach Brand barock als Putzbau mit Scheinquaderung erneuert und um die Vorhalle im Norden erweitert. Der gotische Feldsteinturm im Westen 1848 abgetragen und nach Entwurf von Friedrich August Stüler durch schmale, zweitürmige Front neugotisch ersetzt.

Der Innenraum 1904 restauriert, dabei die barocken Elemente weitgehend entfernt, die umlaufende Empore verlängert und die Chorfenster einheitlich verglast. Der neugotische Altar jetzt im Seitenschiff aufgestellt, ebenso der aus der Dorfkirche Brüsenhagen stammende sogenannte Achatiusaltar. Dieser zusammengesetzt aus Teilen eines spätmittelalterlichem Schnitzaltars mit barocker Predella und dem Aufsatz von 1683. Große Sandsteintaufe, vermutlich Mitte 16. Jh., Kanzel von 1714 und Teile des Ratsgestühls, 1. Viertel 18. Jh.

Die Orgel 1873 von Adolf Christian Reubke & Sohn aus Hausneindor/Harz, die größte romantische Orgel in Brandenburg, restauriert 1963–65 durch Hans Voit aus Rathenow und 1994/95 durch Alexander Schuke aus Potsdam.

Kirchengeschichte

1275 Pfarrkirche St. Marien (ursprünglich St. Nikolai). 1539 Einführung der Reformation. Ein Franziskanerkloster, 1303 erstmals erwähnt, bestand bis zur Reformation. Kyritz wird Inspektion (Superintendentur des Kirchenkreises Kyritz, ab 1968 Kyritz-Wusterhausen).

Die Kirchengemeinde verfügt über drei Pfarrstellen, von denen die dritte seit 2002 nicht mehr besetzt wird: Die erste (Oberpfarrer/Superintendent) umfasst von 1539 bis zur Gegenwart 28 Namen, die zweite (Archidiakonus) von 1573 bis zur Gegenwart 24 Namen und die dritte (Diakonus) von 1581 bis 1662 sechs und von 1969 bis 2002 fünf Namen. Das erste Pfarramt (bis 2016 Superintendentur des amtierenden Superintendenten) und Gemeindehaus befinden sich in der Johann-Sebastian-Bach-Str. 51; das zweite Pfarrhaus in der Maxim-Gorki-Straße 37.

Text: K.-E. Selke